"Nick! Was machst du denn hier?", frage ich erstaunt.Er grinst und sagt: "Ich hab meinen kleinen Bruder zur Nachhilfe gebracht."
Untätig stehe ich rum und weiß nicht, was ich sagen soll. Es ist nicht so, dass ich sprachlos bin, weil ich vor so einem hübschen Jungen stehe, der mich ganz offensichtlich mag. Es liegt eher daran, dass ich ihn auch mag. Und das ist schlecht. Sehr schlecht.
Schließlich ergreift er das Wort. "Hast du Lust, mit mir einen Kaffee trinken zu gehen?"
"Klar, gerne." - Hätte ich sagen sollen. Stattdessen drehe ich mich wie von selbst zur Tür, sage: "Ich habe Nachhilfe" und schlüpfe in den Raum.
Seine klaren blauen Augen, in denen ein Enttäuschung liegt, die wunderschönen, weichen Lippen zu einem schmalen Strich zusammengepresst - so stelle ich mir seinen Gesichtsaudruck jedenfalls vor, ist alles, was meine Augen sehen. Ab und zu schafft es mein Lehrer, irgendwelche pythagoreische Zahlenkombinationen zu mir durch zu bringen, aber das ist nichts, womit er arbeiten kann.
Dank seiner Diskretion fragt er nicht, was los ist, sondern schickt mich mit der Bitte nach Hause, ich solle mich erst mal ausschlafen.
Während ich meine Tasche packe, schweifen meine Gedanken schon wieder ab. Was zum Teufel ist nur los mit mir?! Ich habe einen Freund, verdammt noch mal.
Wütend stoße ich die Tür auf und renne dabei fast Nick über den Haufen.
"Du bist immer noch hier?"