Sunday, April 1, 2012
Kapitel 8 :)
Untätig stehe ich rum und weiß nicht, was ich sagen soll. Es ist nicht so, dass ich sprachlos bin, weil ich vor so einem hübschen Jungen stehe, der mich ganz offensichtlich mag. Es liegt eher daran, dass ich ihn auch mag. Und das ist schlecht. Sehr schlecht.
Schließlich ergreift er das Wort. "Hast du Lust, mit mir einen Kaffee trinken zu gehen?"
"Klar, gerne." - Hätte ich sagen sollen. Stattdessen drehe ich mich wie von selbst zur Tür, sage: "Ich habe Nachhilfe" und schlüpfe in den Raum.
Seine klaren blauen Augen, in denen ein Enttäuschung liegt, die wunderschönen, weichen Lippen zu einem schmalen Strich zusammengepresst - so stelle ich mir seinen Gesichtsaudruck jedenfalls vor, ist alles, was meine Augen sehen. Ab und zu schafft es mein Lehrer, irgendwelche pythagoreische Zahlenkombinationen zu mir durch zu bringen, aber das ist nichts, womit er arbeiten kann.
Dank seiner Diskretion fragt er nicht, was los ist, sondern schickt mich mit der Bitte nach Hause, ich solle mich erst mal ausschlafen.
Während ich meine Tasche packe, schweifen meine Gedanken schon wieder ab. Was zum Teufel ist nur los mit mir?! Ich habe einen Freund, verdammt noch mal.
Wütend stoße ich die Tür auf und renne dabei fast Nick über den Haufen.
"Du bist immer noch hier?"
Tuesday, March 20, 2012
Kapitel 7 :)
"Und du bist die wirklich ganz sicher, dass es Sam war?", fragt mich Liz, immer noch schockiert von der Geschichte, die ich ihr eben aufgetischt habe.
"Liz. Ich werde den Jungen, mit dem ich schon fast 3 Monate zusammen bin, doch wohl erkennen, wenn ich ihn sehe."
"Ach shit. Wieso macht der sowas nur?", fragt sie zerknirscht.
"Wenn ich das wüsste, säße ich nicht hier.", antworte ich und schaue auf die Wanduhr über Liz's Kopf. "Oh mann, ich muss gehen, ich hab doch schon seit zehn Minuten Nachhilfe!"
Schnell packe ich meine Jacke, gebe meiner besten Freundin einen Kuss auf die Wange und wische mir die Tränen aus dem Gesicht.
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Keuchend stoße ich die Tür zu dem Gebäude auf, in dem ich Nachhilfe in Mathe bekomme. Ich bin noch völlig außer Atem, weil ich den ganzen Weg bis hierhin gerannt bin. Im Foyer angekommen, will ich gerade in den Raum 10 eintreten, in dem Herr Hoffmann auf mich wartet, als sich Tür 2 öffnet und der Junge aus dem Kino herauskommt.
Monday, February 27, 2012
Kapitel 6 :)
Die Klotür geht auf. Hastig richte ich mich auf und zupfe mein Oberteil zurecht. Wenn - oh. ich weiß nicht mal ihren Namen. Aber egal, wenn sie jetzt reinkommt und sieht, dass ich schon wieder dabei bin, meinen Lidstrich zu zerstören, kriegt sie eine Krise.
Doch es ist nur eine alte Frau, die mich seltsam anstarrt. Ich schaue schräg zurück und sie wendet schnell den Blick ab. Wie ich es liebe, fremde Menschen zu verunsichern.
Da fällt mir ein, dass ich schon längst bei Liz sein sollte. Ich stoße die Tür auf und renne hinaus, nur um abrupt stehen zu bleiben. Fünf Meter von mir entfernt steht das Mädchen von eben. Doch das ist nicht das Problem, es liegt eher daran, dass ein Junge seinen Arm um sie gelegt hat, der mir bekannt vorkommt. SEHR bekannt sogar. Dieser Junge sieht verdächtig nach meinem Freund aus!
Ich will schon komplett ausrasten, da flüstert eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf mir zu, ich solle mich beruhigen. Von hinten sehen viele Jungs aus wie Sam. Sehr viele sogar. Alle haben diese goldblonden verwuschelten Surfer-Haare, alle haben einen schwarzen Tunnel im linken Ohr und jeder hat diesen Pulli mit dem Logo seiner Lieblingsband, den ich ihm zu Weihnachten geschenkt habe! Das ist verdammt noch mal Sam!
Doch bevor ich anfangen kann Ausdrücke zu kreischen und meinen Schuh nach ihm zu werfen, meldet sich diese nervige Stimme schon wieder. Kleinlaut zwar, aber immer noch hörbar. Sie flüstert, dass sie bestimmt nur eine Bekannte ist, eine flüchtige Freundin, die er hier getroffen hat, als alle seine Kumpels auf einmal auf dem Klo waren.
Natürlich. Ich atme tief durch. So muss es ein. Es kann gar nicht anders sein. Gerade habe ich mich mit dieser offensichtlichen Lüge angefreundet und will einen Schritt auf die beiden zumachen, als er sich doch tatsächlich zu ihr rüberbeugt und sie küsst.
Monday, February 6, 2012
Kapitel 5 :)
Na toll. Jetzt merken schon wildfremde Mädchen, wie scheiße es mir geht.
"Kümmer dich um deinen eigenen Dreck.", sage ich gereizt.
Mit einer abwehrenden Geste verschwindet sie in einer Kabine und ich bekomme ein schlechtes Gewissen. Sie wollte doch nur nett sein und ich gifte sie an.
Nach einiger Zeit kommt sie wieder aus der Kabine und stellt sich seufzend neben mich vor den Spiegel.
"Wenn es wegen einem Jungen ist, merk dir eins. Wenn er dich verlassen hat, dann ist er ein beschissener Bastard und hat dich eh nicht verdient. Und wenn du gleich ein Date hast, dann brauchst du keine Angst zu haben. Denn Schätzchen, du bist wunderschön und wirst ihm komplett den Kopf verdrehen."
Ich muss für einen kurzen Moment grinsen. "Klar geht es um einen Jungen. Das tut es doch immer.."
"Ach komm, Schätzchen. Wenn ich ein Date habe, dann bin ich einfach ich selbst. Denn wenn er mich so nicht mag, dann hat er mich auch nicht verdient."
"Du kannst ja auch du selbst sein. Du bist total hübsch.", sage ich resigniert.
"Quatsch. Du doch genauso. Und jetzt gib dieses Ding her! Das kann man ja nicht mit ansehen.."
Und schon hat sie mir das kleine Fläschchen aus der Hand gerissen und macht sich an meinem Auge zu schaffen. Fünf Sekunden später schaue ich in den Spiegel und sehe einen perfekten Lidstrich.
Lachend umarme ich sie. "Danke."
Sie drückt mich kurz und ihre Mundwinkel kräuseln sich. "Ich muss jetzt aber los. Viel Glück.", meint sie zwinkernd. Dann läuft sie aus der Toilette.
Wow. Die war ja mal richtig nett. Ich wünschte, ich könnte fremde Leute auch behandeln wie meine beste Freundin. Aber ich muss ja jedes Mal, wenn ich schlechte Laune habe, alles an anderen Menschen auslassen, die nichts dafür können. Wie ich es hasse.
Monday, January 30, 2012
Kapitel 4 :)
Wütend erkläre ich ihm, dass er mich gerade wegen ein paar fettigen Burgern versetzt habe, doch er streitet alles ab.
Ich: "Was machst du denn in Mecces?"
Er: "Essen?"
Ich: "Du weißt aber schon, dass wir seit einer halben Stunde verabredet sind, oder?"
Er: "Ehm nein, sind wir nicht?"
Ich: "Doch! Wir haben doch gestern noch telefoniert."
Er: "Also ich glaube, du verwechselst da was. Aber egal, ich muss jetzt aufhören. Ich geh jetzt noch mit Phillip und Patrick ins Kino. Bis dann."
Bevor ich etwas sagen kann, legt er auf. Mir schießen Tränen in die Augen. Wie kann er mir das nur antun?
Mein Handy piept. Es ist bestimmt eine Sms von Sam, in der er sich entschuldigt! Ich tippe auf den blinkenden Briefumschlag, doch ich werde enttäuscht. Die Nachricht ist von Liz.
Starbucks. In 10 Minuten.
Ich muss lächeln. In den 7 Jahren, in denen Liz jetzt schon meine beste Freundin ist, habe ich gemerkt, dass sie immer irgendwie spürt, wenn es mir schlecht geht. Das liebe ich so sehr an ihr.
Ich sollte mich wirklich beeilen. Ich habe nämlich absolut keine Lust, gleich Sam und seinen Kumpels über den Weg zu laufen. Wenn er bei ihnen ist, benimmt er sich mir gegenüber sowieso richtig scheiße. Er hält weder meine Hand, noch umarmt oder küsst er mich. Er will vor seinen Freunden cool sein und denkt, das wäre er, wenn er seine Freundin ignoriert oder verarscht. Ich hasse das.
Ich will schon aufbrechen, als ich merke, dass meine Mascara verlaufen ist.
Seufzend stehe ich auf und gehe in Richtung Toiletten.
Tuesday, January 24, 2012
Kapitel 3 :)
Seine wunderschönen blauen Augen sind so dunkel, so klar. Sie erinnern mich an früher, als ich abends immer mit meiner Mutter auf der Terasse saß. Sie sang mir vor und ich betrachtete den wolkenlosen Sternenhimmel.
Ich hätte sie so gerne wieder.. Doch ich schlucke die Tränen hinunter. In den 5 Jahren seit dem Unfall habe ich gelernt, die Traurigkeit zu kontrollieren.
Erschrocken schaue ich zu dem Jungen, doch er scheint keine Veränderung in meinem Blick wahrgenommen zu haben.
Jetzt erst sehe ich mir ihn genauer an. Auf seinem Namensschild steht "Nick". Was für ein schöner Name. Er passt zu ihm.
Auf einmal klingelt mein Handy. Da ich noch ganz in Gedanken versunken bin, reagiere ich nicht so schnell wie Nick. Er schaut auf mein Iphone und ein Ausdruck von Enttäuschung huscht über sein Gesicht. Er schaut mich kurz verunsichert an und weicht dann meinem Blick aus.
Bevor ich etwas sagen kann, murmelt er: "Ich geh mir dann mal die Hände waschen..", und schon ist er verschwunden.
Neben mir ertönt immer noch Lady Gaga's "Born this way". Auf dem Display ist groß Sam zu sehen. Darunter steht "Schatz <3".
Ich kriege sofort ein schlechtes Gewissen. Hätte ich Nick lieber gleich sagen sollen, dass ich einen Freund habe? Nein, ich sollte mich lieber Sam gegenüber schlecht fühlen. Schließlich habe ich ja gerade fremdgeflirtet.
Endlich nehme ich an. "Hallo?"
"Was stresst du denn so? 12 Sms, 3 Anrufe, chill doch mal!", tönt es blechern in mein Ohr. Shit, die Lautsprecher meines Handys sind schon wieder kaputt.
"Wo bist du?", frage ich nur.
"In Mecces, wieso denn?"
Monday, January 23, 2012
Kapitel 2 :)
Ich nehme erneut mein Handy. Immer noch keine Antwort. Also schicke ich ihm bestimmt schon zum zehnten Mal die gleiche Sms: "Wo bist du?!"
Ich lege es weg, greife jedoch gleich wieder danach. Ich drücke die Zwei, die Kurzwahltaste für Sam. Es tutet. Nach fast zwei Minuten geht die Mailbox ran und ich lege auf. Wütend knalle ich mein Iphone auf den Tisch und stoße dabei aus Versehen meine Popcorntüte um. Sie fällt auf den Boden und der Inhalt verteilt sich über den ganzen dunkelblauen Sternchenteppich. Auch das noch!
Fluchend bücke ich mich und fange an, das Popcorn aufzusammeln. Igitt! Das ganze Karamellzeug klebt am Boden fest.
"Beschissene Scheiße!", zische ich und versuche vergebens, die klebrige Masse wegzukratzen.
Plötzlich tauchen vor mir zwei große Hände auf, die schnell und gekonnt das Popcorn von den Teppichfasern pflücken. Ich blicke auf und sehe, dass die Hände zu einem Jungen gehören, der ein dunkelblaues Arbeitsshirt mit dem Logo des Kinos trägt. Er ist etwa in meinem Alter, vielleicht ein, zwei Jahre älter.
Ich bemerke erst, dass ich ihn immer noch anstarre, als er mich anguckt, grinst und sagt: "Fertig."
Wow! Wirklich, das ganze Popcorn ist wieder in der Tüte.
"Wie hast du das so schnell hingekriegt?", frage ich ihn erstaunt.
"Routine. Aber meistens verschütten kleine Kinder ihr Popcorn, und keine hübschen Mädchen."
Ich werde rot, bekomme dann aber sofort ein schlechtes Gewissen wegen Sam. Als räuspere ich mich und sage: "Ähm.. Ich bin halt sehr.. ungeschickt."
"Ein bisschen." Er lacht und fährt ich durch die Haare, wobei er das ganze Karamell von seinen Fingern in seinen blonden Wuschelschopf schmiert.
Als er bemerkt, dass etwas nicht stimmt, stutzt er, schaut seine Hände an und verzieht das Gesicht. "
Scheiße."
Kapitel 1 :)
Hastig greife ich nach meinem Handy, das auf dem kleinen runden Tischchen in der Lobby des Kinos liegt.
Doch anstatt der erhofften Sms zeigt es an, dass nur noch 5 % Akku vorhanden sind.
Am liebsten würde ich das knallrote Iphone, dass ich zu meinem 14. Geburtstag bekommen habe, gegen die Wand pfeffern, doch ich atme tief durch und greife in meine schon halb leere Popcorntüte. Während ich kaue, frage ich mich verzweifelt, warum Sam eine halbe Stunde nach dem Beginn des Filmes immer noch nicht da ist. Ich meine, wir sind nächsten Montag schon 3 Monate zusammen und trotzdem häufen sich in letzter Zeit die Verspätungen, Ausreden und Lügen.
Wie vorgestern. Ich wollte mit ihm zusammen einen Dvd-Abend machen, obwohl im Fernsehen das Spiel seiner Lieblings-Fußball-Mannschaft live übertragen wurde. Er hat mich süß angelächelt und gemeint: "Klar kannst du kommen! Für meinen Schatz würde ich auf ALLES verzichten."
Doch in letzter Minute rief er mich an und kam doch tatsächlich mit der Ausrede, er hätte so hohes Fieber. Also saß ich allein auf der Couch und sah fern. Als ich durchschaltete, landete ich bei den Nachrichten, in denen gerade berichtet wurde, dass das Fußballspiel wegen starkem Regen ausfallen würde. Keine fünf Minuten später klingelte es an der Tür und Sam stand davor.
Mit hochgezogenen Augenbrauen fragte ich: "Ich dachte, du bist krank?" Er erwiderte: "Ach, weißt du, ich habe eine Aspirin genommen und jetzt geht's mir schon viel besser."
Klar war ich sauer auf ihn. Schließlich hatte er mich wegen einem Fußballspiel versetzt und dreist angelogen. Doch als er mich angrinste und küsste, verflog mein Ärger augenblicklich. Ich kann einfach nicht wütend auf ihn sein!
Thursday, January 19, 2012
Kapitel 43 :)
Doch ich habe das Gefühl, dass Gott, als er diese Ereignisse in den Leben der Menschen verteilt hat, genau als er bei mir angelangt war, einen Schlaganfall bekommen hat und deshalb seine ach so tollen Gaben hat fallen lassen. Das ist vielleicht der Grund, weshalb mein Leben um meinen 15. Geburtstag herum so chaotisch war. Danach verlief mein Leben ruhig und entspannt. Aber vielleicht sollte ich euch erst noch erzählen, was noch passierte.
Als ich so vor dem Spiegel stehe und mein von Robyn verschönertes Spiegelbild betrachte, betritt Ana den Raum. Sobald sie mich sieht, zwingt sie sich zu einem Lächeln und streckt mir etwas entgegen. Ich sehe sie an und greife nach der dunkelblauen Bijou-Brigitte-Tüte. Ich öffne sie und zum Vorschein kommt eine silberne Halskette mit herzförmigem Medaillon. Zaghaft lächel ich Ariana an. Naja, die Kette ist zwar echt süß, aber warum sollte sie mir gerade jetzt Schmuck schenken? Doch sie bedeutet mir mit einer Geste, dass ich das Medaillon aufmachen soll.
Also tue ich es und mit schießen Tränen in die Augen. In dem kleinen Herz klebt ein Foto. Wir haben es an meinem Geburtstag gemacht. In der Mitte stehen Rapahel und ich. Wir küssen uns. Links und rechts sind Rob und Ana zu sehen, wie sie über beide Ohren grinsen und entweder Bella oder einen Becher Cola hochhalten.
Unwillkürlich lächle ich. Wie glücklich wir alle an dem Tag waren. Eine Träne kullert meine Wange hinab. Ana kommt zu mir und umarmt mich.
"Ich wollte mich bei dir entschuldigen. Die Kette soll dir zeigen, wie Leid es mir tut, dass ich mich gestern so scheiße benommen habe. Wir sollten alle zusammenhalten, vor allem jetzt.."
Wortlos schüttele ich den Kopf. Ana ist einfach die Beste! Ich drücke sie an mich und umarme sie fest. Robyn schaut uns gespielt eifersüchtig zu und ich ziehe sie lachend am Arm. Da grinst sie und macht bei unserem Gruppenkuscheln mit.
Und wie sollte es anders sein, natürlich kommt genau in dem Moment Bella ins Zimmer. Als sie sieht, dass wir uns alle wieder vertragen haben, stürmt sie auf uns zu. Lächelnd umarme ich auch sie.
Ich spüre, dass wir alle fast wie eine Familie sind und das gibt mir Kraft. Ich straffe meine Schultern, nehme meine kleine Schwester an der Hand und zusammen laufen wir los. Los zum Gerichtssaal, immer mit meinen beiden besten Freundinnen hinter mir.
Monday, January 16, 2012
Kapitel 42 :)
Aber ich reiße mich zusammen. Sie ist immerhin meine beste Freundin und ich brauche sie. Vor allem heute.
Ich bin so müde. Mein Kopf fällt wie von alleine zurück auf das riesige weiche Kissen. Doch Robyn zieht mich wieder hoch. "Nenee du, das lass mal schön bleiben. Die Gerichtsverhandlung fängt in einer Stunde an und wir müssen dich noch herrichten."
Ich schnelle hoch. "Was? In einer Stunde schon?"
Und natürlich, wie sollte es anders sein, schießt mir trotz dem ganzen Stress mit Torben, Raphael und so weiter, nur eine Frage durch den Kopf.
"Was soll ich nur anziehen?!"
Meine Freundin lacht und sagt: "War mir klar, dass das noch kommt. Ich hab dir was mitgebracht."
Sie holt eine große MANGO-Tüte hinter sich hervor.
"Hab ich von meiner Schwester gemopst."
Ich luge hinein und sehe etwas weißes. Als ich es herausgezogen habe, falte ich es auseinander und sehe, dass es eine wunderschöne weiße Bluse ist. Ich runzele die Stirn. Klar, sie ist echt hübsch, aber ich bezweifle, dass sie zu mir passt..
Da merke ich, dass in der Tüte noch etwas anderes ist. Ich hole es heraus. Ein schwarzer Bleistiftrock. Ich schaue sie skeptisch an. "Rob.. Das ist wirklich lieb von dir, aber.."
"Nichts aber, Schätzchen. Du wirst umwerfend aussehen, glaub mir. Und du musst seriös wirken, wenn du den Richter und Torben und alle überzeugen willst. Das kannst du in deiner Moonwashed-Jeans und deinen ausgelatschten Chucks ganz bestimmt nicht."
Ich seufze. "Wenn du meinst.."
Eine dreiviertel Stunde später stehe ich vor dem Spiegel und erkenne mich selbst nicht wieder. Ich sehe mindestens zehn Jahre älter aus, aber trotzdem nicht schlecht. Ich betrachte mich lächelnd im Spiegel. Robyn hat mir die Haare zu einem Dutt hochgesteckt und mich dezent geschminkt. Im Spiegel sehe ich sehr selbstbewusst aus. Wie eine echte Business-Lady. Ich atme tief durch. Ich schaffe das. Ich werde meine Mutter und meine kleine Schwester da raus holen. Ich-
Die Tür öffnet sich und Robyn stürmt zu der Person, die gerade den Raum betritt.
Wednesday, January 11, 2012
Kapitel 41 :)
Ich drehe mich um und will jetzt wenigstens meine kleine Schwester im Arm halten, doch Bella ist schon die Treppe hinaufgestapft. In dem Zimmer, in dem ich vorher geschlafen habe, bevor Raphael...
Ich schlucke erneut die Tränen hinunter und nehme das Aspirin.
...
Am nächsten Morgen wache ich auf, weil jemand in mein Zimmer gestürmt kommt und die Vorhänge ruckartig aufzieht. Ich öffne die Augen, um zu sehen, wer es ist, doch ich muss meine Augen vor Schmerz sofort wieder zusammen kneifen. Das grelle Licht blendet mich.
"Guten Morgen!", höre ich Robyns laute Stimme durch den ganzen Raum hallen.
Robyn? Ich reiße die Augen auf. Diesmal sehe ich mehr. Ich blinzele ein paar Mal, bis die verschwommene Gestalt am Fenster immer klarer wird. Meine beste Freundin steht da mit einem großen Starbucks-Kaffeebecher und einem Karton von Dunkin' Donuts und grinst mich an.
Ich schaue sie fragend an. Gestern war sie doch noch sauer auf mich..? Sie kommt auf mich zu, legt ihre Mitbringsel auf das Bett und seufzt.
"Marie.. Wegen gestern. Es tut mir leid. Ich hab überreagiert. Ich war nur so schockiert..Von dem mit Raphael und allem eben." Dann grinst sie schelmisch. "Und da heute der Prozess ist, dachte ich, ich wecke dich sanft auf und bringe dir Frühstück ans Bett!"
Monday, January 9, 2012
Kapitel 40 :)
"Robyn?", frage ich verwirrt. "Wie bist du so schnell hierhergekommen? Ich meine, die Sms..."
Ihr Handy piepst und sie kramt es hervor. Sie liest meine Sms und lächelt gequält. "Bella hat mich angerufen.."
Sie setzt sich auf den Stuhl neben mich und nimmt mich fest in den Arm. Eine Weile sitzen wir nur da und weinen, bis ich merke, das Bella ja auch noch da steht. Ich nehme sie an der Hand und bedeute sie, dass sie sich zu uns setzen soll, doch sie schüttelt meine Hand ab und läuft in Richtung Empfang. Traurig schaue ich ihr hinterher. Sie hat so viel in ihrem Leben durchgemacht. Ich hoffe so sehr, dass wir den Prozess morgen gewinnen, obwohl Raphael gerade... Ich kann das Wort nicht mal denken. Es tut mir so sehr weh.. Ich fange noch stärker an zu weinen. Wie viele Tränen ein Mensch wohl vergießen kann, bevor er keine mehr hat..?
Mein Gedankengänge werden unterbrochen, weil jemand den Gang entlanggerannt kommt. Völlig außer Puste bleibt Ana vor uns stehen und fragt nach Luft ringend: "Oh. Mein. Gott. Was ist passiert?!"
Ich versuche ihr alles zu erklären, aber meine Stimme bricht immer und immer wieder. Also erzählt Robyn ihr von Raphaels Tod.
Sie schnappt nach Luft und schlägt sich die Hand vor den Mund. Ihr steigen Tränen in die Augen. Ihr blondes Haar wirbelt herum, da sie ständig den Kopf schüttelt.
"Nein, nein, nein!", flüstert sie die ganze Zeit. Irgendwann kann ich es nicht mehr hören und ich zische: "Davon wird er auch nicht wieder lebendig!"
Ana schaut mich traurig an und ignoriert mich nur noch.
Irgendwann gehe ich zurück zu Raphaels Haus und verkrieche mich in "unserem" Zimmer. Ich kann nicht mehr, ich kann einfach nicht mehr!
Ich weine und weine, bis ich Kopfweh bekomme. Unten in der Küche will ich mir eine Aspirin holen, als es klingelt. Mit dem Ärmel wische ich mir die Tränen vom Gesicht und öffne die Tür. Draußen steht Robyn, die mit grimmigem Gesicht Bella an der Hand hält.
"Du hast deine Schwester im Krankenhaus gelassen!", sagt sie, kehrt auf dem Absatz um und läuft weg.
Ich rufe ihr hinterher: "Rob, warte!", doch sie dreht sich nicht um, sondern schreit nur: "Ich gehe jetzt zu Ana. Sie braucht mich."
Sunday, January 8, 2012
Kapitel 39 :)
Fünf Minuten nachdem der größte Aufruhr vorbei ist, treffen auch schon Raphaels Eltern mit Bella ein und finden mich in Embryonalhaltung auf dem Besucherstuhl in Raphaels Zimmer vor, wie ich in Tränen aufgelöst meinen Freund anstarre, während die Pfleger seine Beatmungsgeräte und den Tropf abbauen.
Als Raphis Mum die schreckliche Szene sieht, stürzt sie sofort zu ihrem Sohn und bricht in Tränen aus, als sie sein blasses, lebloses Gesicht sieht. Ihr Mann eilt zu ihr und nimmt sie fest in den Arm. Auch ihm laufen Tränen die Wangen hinab.
Meine kleine Schwester steht geschockt im Türrahmen und starrt auf den Leichnam auf dem Bett. Sie wird bleich und rennt aus dem Raum.
Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt schließlich eine Schwester herein und bittet mich, das Zimmer zu verlassen. Widerstandslos folge ich ihr in den Flur, wo ich auf einem Stuhl Platz nehme. Sie bringt mir ein Glas Wasser und sagt, ich solle hier warten. Ich nehme einen großen Schluck aus dem Glas, doch es schmeckt komisch. Ich glaube, sie hat Beruhigungsmittel hineingetan. Ich zucke die Schultern und leere das Glas. Schon bald verlangsamt sich mein Atem und die Tränen verebben. Ich hole mein Handy aus der Hosentasche und schicke eine Sms an Robyn.
Saturday, January 7, 2012
Kapitel 38 :)
Ich drehe mich vom Automaten weg und will gerade den Gang zurücklaufen, als ich einen lauten piepsenden Ton vernehme. Aufgeregte Ärzte rennen an mir vorbei. Es ist das Signal, dass ein Patient einen Herzstillstand hat.
Ich halte mehrere Ärzte auf und frage sie, in welchem Raum der Notfall sei, doch sie antworten nicht. Ignorieren mich nur und hasten weiter in Richtung der Sirene. Ich habe plötzlich panische Angst, dass Raphael etwas passiert sein könnte. Ich laufe schneller Raum 208 entgegen. Unterwegs rede ich mir ein, dass wahrscheinlich ein anderer Koma-Patient seinen Verletzungen erlegen ist, doch als ich vor seinem Zimmer stehe, überrollt mich eine Welle der Angst, als ich sehe, dass sich an der Tür eine Traube Menschen versammelt hat. Die meisten davon tragen weiße Arzt-Kittel. Doch bevor ich genau hinsehen kann, zieht mich eine Schwester zur Seite und sagt: "Ganz ruhig, sie holen gerade den Defibrillator. Es wird alles gut, setzen sie sich hier hin und beruhigen sie sich."
Erst da bemerke ich, dass ich heule wie verrückt. Sie drückt mich auf einen dieser dunkelbraunen Wartestühlen aus Plastik vor den Behandlungszimmern.
Starr vor Furcht sehe ich zu, wie sie das Reanimationsgerät zu Raphael in den Raum tragen. Daraufhin höre ich aufgeregte Rufe und hektische Anweisungen und mich hält es nicht mehr bei der Schwester. Ich springe auf und renne auf die vielen Ärzte zu. Ich schubse sie zur Seite und quetsche mich an ihnen vorbei, bis ich mitten im Raum stehe. Nur um zu sehen, wie sich ein Mann mit verzweifeltem Blick über meinen Freund beugt und den Kopf schüttelt, während er die beiden Metallscheiben des Wiederbelebungsgerätes aneinanderreibt und dann einen Stromschlag nach dem anderen durch Raphaels Körper jagt.
Kapitel 37 :)
Ich blättere gerade auf Seite 46 um, als sich mein Bauch meldet. Ich habe gar nicht bemerkt, wie hungrig ich bin. Außer dem Kaffee heute morgen habe ich noch nichts zu mir genommen. Ich seufze, stehe auf und werfe noch einen letzten Blick auf den Jungen, der in weiße Krankenhauslaken gehüllt auf dem schmalen Bett liegt. Der gleiche Junge, dessen dunkelbraune Augen noch vor 2 Monaten so voller Wärme und Leben waren. Doch seit diesem schrecklichen Tag - meinem Geburtstag - hat sein Gesicht von Tag zu Tag mehr an Glanz verloren. Seine Haut ist fahl und seine Wangen sind eingefallen. Es tut mir weh, ihn so zu sehen, aber ich kann es nicht ändern.
Während ich den Gang zum Snackautomaten entlanggehe, grüßen mich mehrere Ärzte. Sie kennen mich alle schon, da ich Raphael jeden Tag nach der Schule besuche. Ich setze mich dann an sein Bett, erzählte ihm von meinem Tag oder lese ihm etwas vor. Meistens Gedichte. Ich bin mir nicht sicher, ob er mich hören kann, selbst die Ärzte wissen es nicht genau. Klar, es gibt Fälle, in denen die Patienten nach und nach ihre Sinne wiedererlangt haben und schließlich aufgewacht sind, aber bei Raphael ist die Chance gering.
Schließlich liegt er schon seit 2 Monaten im Koma und er hat noch keinerlei Fortschritte gemacht.
Friday, January 6, 2012
Kapitel 36 :)
Kapitel 35 :)
Bella und ich schauen uns an und brechen beide in Lachen aus. Ich bin froh, sie fröhlich zu sehen, bei den schlimmen Erfahrungen, die sie bei Torben erleben musste.
Doch schon bald verdüstert sich die Stimmung angesichts dessen, was Bella noch zu berichten hat. Ich schnappe nach Luft, als ich höre, was dieses Arschloch sich alles erlaubt.
Ich nehme meine kleine Schwester in den Arm und sage: "Ach Schatz, es wird alles gut. Ich lasse nicht zu, dass er dich noch ein einziges Mal anfasst!"
Als wir wieder oben bei den anderen sind, sehen diese sofort unsere geröteten Augen. Raphael kommt auf mich zu und umarmt mich. "Was ist passiert, Schatz?"
Ich ziehe ihn zum Tisch und wir setzen uns. Dann erzähle ich allen, was Torben getan hat. Laut Bella hat er sie nicht nur geküsst, sondern er kommt auch jeden Tag spät abends komplett betrunken nach Hause und verprügelt meine Mutter. Einmal hat er sogar Bella eine Ohrfeige gegeben.
Alle am Tisch sind entsetzt von dem, was sie da hören. Ana fängt sich am schnellsten wieder. Sie zischt: "Dieser elende kleine Penner! Das kann er doch nicht tun!"
Da schaltet sich Raphi ein. "Hey, ich meine das kann er wirklich nicht tun, wir sollten ihn anzeigen!"
Wednesday, January 4, 2012
Kapitel 34 :)
Wir sind alle zusammen essen gegangen und haben schön gefeiert. Auch Ariana haben wir eingeladen. Eigentlich wollte Raphi uns in ein edles französisches Restaurant einladen, doch ich sturer Esel habe meinen Willen durchgesetzt. Und so sitzen wir im Mc-Donalds und Bella erzählt mir von daheim. Sie wirkt irgendwie.. ängstlich, wenn sie von Torben spricht. Von ihm erzählt sie fast nichts. Nur von seinen Kindern. Als ich sie auf ihn anspreche, weicht sie aus und wechselt das Thema. Hm, vielleicht ist irgendwas vorgefallen. Ich sollte wirklich mit ihr reden. Also gehe ich mit ihr alleine aufs Klo und quetsche sie aus. Zuerst blockt sie ab, irgendwann bekomme ich es aber doch aus ihr raus.
"Vorgestern.. Da war Mama grad beim Einkaufen. Ich lag auf dem Sofa und er kam.. und setzte sich neben mich. Ich bin dann aufgestanden und wollte gehen, weil ich nicht in seiner Nähe sein wollte. Aber er hat mich am Arm festgehalten und zurück aufs Sofa gezogen.", erzählt sie mir mit brüchiger Stimme.
Ich nehme sie in den Arm und lasse sie tief durchatmen, bevor sie weiterspricht.
"Er.. Marie! Torben hat mich geküsst!", schluchzt sie. Ich schnappe nach Luft. Das kann doch wohl nicht wahr sein! Erst ich, und jetzt meine kleine Schwester? Damit kommt dieser Bastard nicht durch! Ich will gerade lautstark meine Meinung äußern, als sich die Tür öffnet..
Kapitel 33 :)
"Ach Bella, ich freu mich nur so, dich endlich wiederzusehen. Geht's dir gut? Wie geht es Mama? Ist sie noch mit dem Penner zusammen? Wieso bist du hier? Wie bist du hier hergekommen?"
Sie schaut mich verwirrt an, überlegt einen Moment und sagt dann: "Ehm.. Also: Ja. Es geht. Ja. Weil du Geburtstag hast und Raphael und Robyn haben mich hergebracht."
"Häh?" sage ich verstört.
Raphael lacht und erklärt: "Ja, Bella geht es gut. Deiner Mutter geht es nicht ganz so gut, aber sie ist immer noch mit Torben zusammen. Deine Schwester ist als dein Überraschungsgast gekommen, weil Robyn und ich sie besucht und ihr alles erklärt haben. Daraufhin wollte sie dich sehen und so dachten wir daran, ein Geburtstagsgeschenk daraus zu machen."
Ich strahle die drei an. "Das ist der absolut tollste Geburtstag in meinem gesamten Leben. Und ihr seid die absolut tollsten Freunde, beste Freundinnen und Schwestern, die man sich nur wünschen kann."
"Gruppenumarmung!", schreit Robyn und stürzt sich auf mich. Auch Raphael und Bella kommt dazu und so verschmelzen wir zu einem riesigen glücklichen Klumpen. :D
Tuesday, January 3, 2012
Kapitel 32 :)
Kapitel 31 :)
Kapitel 30 :)
"Okay Marie, mach die Augen zu.", befahl sie mir. Dann nahm sie mir den pfirsichfarbenen Seidenschal von den Augen und trat zur Seite. "Und jetzt..... Augen auf!"Ich konnte meinen Augen kaum trauen. Das, was ich sah, war einfach zu unglaublich. Der Raum, in dem ich stand, war riesig und lichtdurchflutet, da in den Dachschrägen gewaltige Fenster eingelassen waren. In der Mitte des Raumes stand ein wunderschönes, aus Kirschholz gefertigtes King-Size-Bett. Es war bezogen mit elfenbeinfarbener Seidenbettwäsche. Ich sah mich weiter im Raum um und war vollkommen überwältigt von dem, was ich sah.
Kapitel 29 :)
Nervös fahre ich mir durch die strähnigen Haare. Meine Wimperntusche ist verlaufen und mein Top hat einen großen Fleck. Ich muss schrecklich aussehen. Dennoch hebt er die Hand, als wolle er mein Gesicht berühren, doch er hält in der Bewegung inne und wispert: "Du bist so wunderschön."
In meinem Bauch feiern Schmetterlinge Feste und ich spüre, dass ich diesen Jungen mehr als alles andere auf der Welt liebe und dass er mich niemals mit meiner besten Freundin betrügen würde.
Er öffnet den Mund, als wolle er etwas sagen, doch schüttele nur den Kopf, stelle mich auf Zehenspitzen und küsse ihn. Doch als ich mich von ihm lösen will, hält er mich fest und flüstert in mein Ohr: "Bitte geh nie wieder." Ich lächle und sage: "Diesen Fehler mache ich nie wieder."



















