Doch bevor die Sms überhaupt angekommen sein kann, legt sich eine Hand auf meine Schulter. Ich drehe mich um und schaue in feuchte blaue Augen, die trotz der vielen vergossenen Tränen nicht an Leuchtkraft verloren haben.
"Robyn?", frage ich verwirrt. "Wie bist du so schnell hierhergekommen? Ich meine, die Sms..."
Ihr Handy piepst und sie kramt es hervor. Sie liest meine Sms und lächelt gequält. "Bella hat mich angerufen.."
Sie setzt sich auf den Stuhl neben mich und nimmt mich fest in den Arm. Eine Weile sitzen wir nur da und weinen, bis ich merke, das Bella ja auch noch da steht. Ich nehme sie an der Hand und bedeute sie, dass sie sich zu uns setzen soll, doch sie schüttelt meine Hand ab und läuft in Richtung Empfang. Traurig schaue ich ihr hinterher. Sie hat so viel in ihrem Leben durchgemacht. Ich hoffe so sehr, dass wir den Prozess morgen gewinnen, obwohl Raphael gerade... Ich kann das Wort nicht mal denken. Es tut mir so sehr weh.. Ich fange noch stärker an zu weinen. Wie viele Tränen ein Mensch wohl vergießen kann, bevor er keine mehr hat..?
Mein Gedankengänge werden unterbrochen, weil jemand den Gang entlanggerannt kommt. Völlig außer Puste bleibt Ana vor uns stehen und fragt nach Luft ringend: "Oh. Mein. Gott. Was ist passiert?!"
Ich versuche ihr alles zu erklären, aber meine Stimme bricht immer und immer wieder. Also erzählt Robyn ihr von Raphaels Tod.
Sie schnappt nach Luft und schlägt sich die Hand vor den Mund. Ihr steigen Tränen in die Augen. Ihr blondes Haar wirbelt herum, da sie ständig den Kopf schüttelt.
"Nein, nein, nein!", flüstert sie die ganze Zeit. Irgendwann kann ich es nicht mehr hören und ich zische: "Davon wird er auch nicht wieder lebendig!"
Ana schaut mich traurig an und ignoriert mich nur noch.
Irgendwann gehe ich zurück zu Raphaels Haus und verkrieche mich in "unserem" Zimmer. Ich kann nicht mehr, ich kann einfach nicht mehr!
Ich weine und weine, bis ich Kopfweh bekomme. Unten in der Küche will ich mir eine Aspirin holen, als es klingelt. Mit dem Ärmel wische ich mir die Tränen vom Gesicht und öffne die Tür. Draußen steht Robyn, die mit grimmigem Gesicht Bella an der Hand hält.
"Du hast deine Schwester im Krankenhaus gelassen!", sagt sie, kehrt auf dem Absatz um und läuft weg.
Ich rufe ihr hinterher: "Rob, warte!", doch sie dreht sich nicht um, sondern schreit nur: "Ich gehe jetzt zu Ana. Sie braucht mich."

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