Volle zwei Minuten versucht der Sanitäter mithilfe eines Neurologen und drei Assistentsärzten den leblosen Jungenkörper auf der Pritsche wiederzubeleben, jedoch ohne Erfolg. Weinend stehe ich an seinem Bett, während die Ärzte resigniert ihre Behandlungsgeräte wieder einpacken. Manche umarmen mich, bevor sie den Raum verlassen. Doch die meisten schauen mich nur traurig an und senken dann den Blick.
Fünf Minuten nachdem der größte Aufruhr vorbei ist, treffen auch schon Raphaels Eltern mit Bella ein und finden mich in Embryonalhaltung auf dem Besucherstuhl in Raphaels Zimmer vor, wie ich in Tränen aufgelöst meinen Freund anstarre, während die Pfleger seine Beatmungsgeräte und den Tropf abbauen.
Als Raphis Mum die schreckliche Szene sieht, stürzt sie sofort zu ihrem Sohn und bricht in Tränen aus, als sie sein blasses, lebloses Gesicht sieht. Ihr Mann eilt zu ihr und nimmt sie fest in den Arm. Auch ihm laufen Tränen die Wangen hinab.
Meine kleine Schwester steht geschockt im Türrahmen und starrt auf den Leichnam auf dem Bett. Sie wird bleich und rennt aus dem Raum.
Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt schließlich eine Schwester herein und bittet mich, das Zimmer zu verlassen. Widerstandslos folge ich ihr in den Flur, wo ich auf einem Stuhl Platz nehme. Sie bringt mir ein Glas Wasser und sagt, ich solle hier warten. Ich nehme einen großen Schluck aus dem Glas, doch es schmeckt komisch. Ich glaube, sie hat Beruhigungsmittel hineingetan. Ich zucke die Schultern und leere das Glas. Schon bald verlangsamt sich mein Atem und die Tränen verebben. Ich hole mein Handy aus der Hosentasche und schicke eine Sms an Robyn.

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