Ich hasse es hier. Ich hasse einfach alles hier. Ich hasse Torben, den Penner, mit dem dreckigen, verschwitzten Achselshirt und den Boxershorts, die er bestimmt schon seit zwei Monaten trägt. Ich hasse seine kleinen, frechen, nervtötenden, kreischenden Drecksgören. Ich hasse das Haus, oder besser, die Bruchbude, die ungefähr halb so groß ist wie unser altes Haus und vermüllt, alt und dreckig ist. Ich hasse es.
Wir sind erst vor einer Stunde angekommen und ich habe mein neues "Zuhause" schon längst hinter mir gelassen. Ein Blick in den Müllhaufen hat mir gereicht, ich bin sofort abgehauen. Ich habe gesehen, wie Torben mir nachrennen wollte, aber Mama hat ihn besänftigt:" Ach lass gut sein, die beruhigt sich schon wieder."
Jetzt sitze ich im Café "Malaga" in Berlin, ohne Geld und ohne Plan. Natürlich werde ich irgendwann wieder zurück zu meinem neuen "Dad" müssen, aber vorerst brauche ich ein bisschen Abstand. Ich ziehe die Beine an und kuschel mich tiefer in die bordeaux-farbene Eckbank. Auf einmal kommt eine brünette Bedienung zu mir herüber und fragt mich mit schlecht gefaketem Lächeln: "Was kann ich ihnen bringen?" Ich sage aus einem Impuls heraus: "Einen Schoko-Mandel-Frappiato bitte." Was rede ich da?! Sowas gibts doch gar nicht! Doch die Bedienung meint: "Kommt sofort", kritzelt etwas auf ihren Block und verschwindet. Wow, in Berlin gibts wohl echt alles :D
Doch dann kommt die Gewissheit. "Scheiße, Marie, was machst du denn? Wie willst du das denn bitte bezahlen?" Doch da kommt die Bedienung schon wieder, knallt mir das braun-weiße Getränk auf den Tisch und verpulverisiert sich. Ich nehme das Glas und nippe daran. Oh mein Gott, ich glaube ich habe in meinem Leben noch nie etwas getrunken, das so lecker schmeckt!
Also sitze ich eine halbe Ewigkeit in diesem Café und trinke dieses Getränk, das ich nicht bezahlen kann.
Als ich den letzten Schluck ausgetrunken habe, stehe ich auf, und versuche mich unauffällig an der Kellnerin vorbeizumogeln. Doch wie es das Schicksal so will, sieht sie mich im letzten Moment und schreit:" He du! Wie wärs mit bezahlen, du Pennerin?!" Sie kommt auf mich zu und baut sich herausfordernd vor mir auf. "3,50 €, aber dalli!" Mir wird heiß und kalt zugleich, Panik steigt in mir auf. "I-ich habe kein Geld dabei.." , stammele ich. "Was? Willst du mich verarschen!? Was willst du bitte ohne Geld in nem Café?? Wieso hast du kein Geld dabei?" Da legt sich plötzlich eine Hand auf meine Schulter..

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